Die Zugfahrt von Shanghai nach Qingdao führt durch endlose Landwirtschaft, die Region ist bekannt für den Anbau von grünem Gemüse. Nebst dem Gemüse ist in China vorallem die Infrastruktur beeindruckend. Die gut 700 Kilometer fahren wir ausschliesslich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken, oft auf einer Art Viadukt gebaut. Wir fahren durch grössere Städte, von welchen wir vorher noch nie gehört haben. Auffallend sind viele Energieproduktionsanlagen, von AKWs zu Wind- und Solarenergie. 

In Qingdao erwartet uns schönes Wetter, aber ein eiskalter Nordwind. Wir kommen bereits in der Dämmerung am Bahnhof an, daher entscheiden wir uns am nächsten Morgen die Velos abzuholen. Wieder unterwegs mit den Velos, suchen wir das richtige Fährterminal, da wir online keine guten Informationen gefunden hatten. Wir wollen von Qingdao mit der Fähre nach Südkorea weiter. Obwohl wir mittlerweile ziemlich gut klar kommen mit den chinesischen Apps, fanden wir weder online Infos noch finden wir das korrekte Terminal auf Anhieb.

Beim zweiten Fährterminal sind wir richtig, aber leider ist das Terminal geschlossen. Wir treffen auf eine Kioskbetreiberin, welche uns mitteilt, dass die Fähre erst wieder nächste Woche fährt. An einer Türe ist dann derselbe Hinweis auch noch angebracht. Also zurück ins Hotel und Alternativen recherchieren. Als wir die Website der Fährfirma im Detail übersetzen, erfahren wir, dass die Fähre in Wartung ist, und eigentlich ein Ersatzschiff fahren würde. Ein Anruf später wissen wir, dass dort keine Passagiere mitfahren können. 

Im Internet stossen wir auf eine andere Fähre, in der nächsten Stadt im Norden, etwa 300 Kilometer entfernt von Qingdao. Wir rufen auf gut Glück dort an und zu unserer Überraschung findet sich jemand, welcher Englisch spricht. Er meint, dass die nächste Fähre übermorgen fährt. Perfekt für uns, also machen wir uns an die Organisation für einen Transport zu dieser Stadt. Über die App Lalamove finden wir einen Van, welcher unsere Velos für 60 Franken transportiert. 

Wir haben etwas mehr Zeit als erwartet in Qingdao und schauen uns daher in aller Ruhe die Sehenswürdigkeiten an: Erstens die Tsingtao Brauerei, eine nach deutschem Vorbild gebaute Brauerei, um im frühen 20. Jahrhundert europäische Ausgewanderte mit Bier zu versorgen. Das Gebäude ist beeindruckend gut erhalten und sehr ähnlich den europäischen Brauereigebäuden. Zweitens gibt es eine Altstadt inklusive einer Kirche auf dem Hügel, wir fühlen uns als wären wir in einer europäischen Stadt gelandet. In einem grossen Shoppingcenter finden wir noch eine Eisbahn, passend zum kalten Wetter drehen Nora und Lea ein paar Runden auf den Schlööf.

Am nächsten Morgen geht es mit Zug und Lalamove-Van nach Shidao zum Fährterminal. In Shidao angekommen treffen wir den englischsprachigen Kontakt der Firma, es stellt sich heraus das er für die IT verantwortlich ist. Er freut sich riesig uns zu treffen, und uns zu helfen. Er erzählt von einem polnischem Bikepacker-Pärchen, welchem er vor zehn Jahren auch mit der Fähre geholfen hat. Er hat uns bereits am Telefon gesagt, dass es an der Grenze einige Interviews gäbe, da die Grenze sehr wenig mit ausländischen Touristen zu tun hat. Wir dachten uns nichts weiter dabei, da wir uns seltsame Fragen der chinesischen Einreisebehörden mittlerweile gewohnt sind. 

Casablanca, wie er sich auf Englisch nennt, lädt uns zum Mittagessen ein, wir geniessen ein sehr üppiges Angebot aus Meeresfrüchten und Fisch. Danach fährt er uns in seinem schicken Audi über das Hafengelände und zeigt uns die Fähre. Jetzt organisiert er zwei, drei Dinge per Telefon für dieses „Interview“. Und siehe da, es warten vier Leute mit zwei Kameras auf uns. Wir werden auf den letzten Metern zum Terminal gefilmt und für den ganzen Ausreise- und Zollprozess mit Kameras begleitet und interviewt. Das Interview läuft so ab, das Casablanca uns die Fragen auf Englisch übersetzt und uns klar vorgibt was wir sagen sollen. Eine einzigartige Erfahrung. Wir kommen schlussendlich doch noch zum Schiff und beziehen unser Zimmer. 

Die Überfahrt nach Incheon in Südkorea ist unspektakulär, und wir starten gleich am Hafen mit dem Velo. Die ersten 20 Kilometer durch Hafen- und Industriequartiere bis zum Veloweg sind etwas hektisch, danach führt eine richtige Veloautobahn dem Ara-Kanal und Han-Fluss bis nach Seoul.

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