Von Jeonju aus starten wir Richtung Süden. Unser Ziel ist Mokpo, von wo wir die Fähre nach Jeju, die Ferieninsel der Südkoreaner*innen, nehmen. Die beiden Velotage sind stark geprägt von den Sakura-Blüten, entlang des Velowegs sind alle Bäume schneeweiss am blühen. Die Koreaner*innen scheinen die Sakura-Zeit genauso zu geniessen wie wir, eine Familie steht mitten auf einer Strasse um ein Foto zu machen. Wir verbringen einen kurzen Abend in Gwangju, einer Stadt mit grosser Bedeutung für Südkoreas Weg von der Militärdiktatur zur Demokratie. Leider haben wir keine Zeit, uns näher damit auseinanderzusetzen. Wir kommen spät an und haben eher Mühe, nach 20 Uhr noch etwas zu Essen zu finden.
In Mokpo angekommen gönnen wir uns ein Hotelzimmer, da unsere Fähre erst um Mitternacht Richtung Jeju abfährt. Wir wärmen uns mit einer warmen Dusche auf und machen die detaillierte Routenplanung für Jeju. Nach einer kurzen, aber erstaunlich erholsamen Nacht auf der Fähre kommen wir morgens um 6 Uhr auf Jeju an. Unser Ziel ist es, die rund 240 Kilometer um die Insel in zwei Tagen zu fahren. Begleitet werden wir von Johan, einem Genfer, den wir Anfang November in Almaty getroffen hatten. Seither sind wir immer wieder via Instagram und WhatsApp mit ihm in Kontakt. Er reiste über vier Monate quer durch China mit dem Zelt, teils bei -20 Grad Celsius, während wir das schöne Wetter in Taiwan, Südchina, Australien und Südostasien genossen haben.
Jeju ist einerseits bekannt als die Veloinsel Koreas, bereits auf der Fähre haben wir viele andere Velofahrende angetroffen. Andererseits hat die Insel auch einen besonderen Platz in der koreanischen Geschichte und unterscheidet sich historisch sowie kulturell vom koreanischen Festland. So haben sie einen eigenen Dialekt und die Familienstrukturen sind traditionell stärker matriarchal geprägt als im restlichen Korea. Das hängt damit zusammen, dass viele Familien vom Meer lebten: Meeresfrüchte und Algen wurden von Freitaucherinnen, den sogenannten Haenyeo, gesammelt. Wir besuchen ein Museum und erfahren einiges über die sozialen Strukturen, die Ausbildung und die Ausrüstung der Taucherinnen. Bereits zwischen 11 und 13 Jahren begannen viele Mädchen mit der Ausbildung. Heute haben die Taucherinnen eher Mühe, Nachwuchs zu finden, die meisten noch Aktiven sind zwischen 50 und 80 Jahre alt.
Wir haben zwei wunderbare Velotage auf Jeju und wählen zum Glück die richtige Richtung für die Umrundung, sodass wir mit Rückenwind wieder in Jeju City ankommen. Wir geniessen das Wetter, die leckeren Tangerines, für die Jeju bekannt ist, und machen immer mal wieder Halt, um einen Tempel, Wasserfall oder besonders schönen Küstenabschnitt zu bestaunen. Die Tangerines schmecken nach Mandarine, sehen aber wie eine Orange aus. Die Zeit vergeht schnell und wir verabschieden uns nicht nur von Johan, sondern auch von Lea, die nach Jeju zurück nach Seoul fährt, um von dort aus zurück in die Schweiz zu fliegen.
Leider schlägt das Wetter vor unserer Fährüberfahrt zurück aufs Festland um und und wir fahren bei Seitenwind und Windstärken von bis zu 50 km/h. Die fünf Stunden verbringen wir sitzend, möglichst wenig essend und den Horizont im Blick. Mit etwas Medikamente gegen die Übelkeit überstehen wir die Fahrt zum Glück ohne uns zu Übergeben.
Von Sacheon auf dem Festland nehmen wir einen Bus nach Busan, unsere letzte Destination in Korea. Von hier aus werden wir die Fähre nach Fukuoka in Japan nehmen.
In Busan geniessen wir nochmals die Sakura-Blüten, obwohl sie schon fast vorbei sind, lassen unsere Veloweg-Stempel zertifizieren und machen die letzten Vorbereitungen für Japan. Wir flicken das Zelt, schreiben Postkarten und geniessen nochmals die koreanische Kaffeekultur. Die Stadt gefällt uns sehr — sicherlich auch, weil wir grosses Glück mit dem Wetter haben. Sie liegt am Meer und ist in die Hügel gebaut, das Stadtbild erinnert uns ein bisschen an Hongkong.
Nach drei erholsamen Tagen reisen wir aus Korea aus und verbringen zu unserer Überraschung eine ruhige und erholsame Nacht auf der Fähre. Da die Fähre zwei Tage später in Wartung geht, ist sie relativ gut ausgebucht und wir bekommen nur noch einen Platz im gemischten Schlafsaal. Ganz nach japanischem Stil schlafen wir auf Futonbetten, zu acht, ohne Sichtschutz, dicht nebeneinander gereiht.
Jetzt freuen wir uns auf das letzte Land unserer Reise, das wir in den nächsten gut fünf Wochen noch erkunden werden.






































































































































































