The Otter Nomads

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    02.11.2026
    Japan

    Heute geht es für uns auf die zweite Insel in Japan. Mit der Fähre setzen wir von Beppu auf Kyushu nach Yawatahama auf Shikoku über. Mit einer japanischen Gründlichkeit, und doch sehr effizient werden unsere Velos befestigt und für die kurze Überfahrt seetauglich gemacht. 

    Die Wetterprognose sagt bald Regen voraus, und zudem für heute Nachmittag Nordwind. Um dem Regen zu entkommen, fahren wir um die 60 Kilometer gegen einen zähen Gegenwind bis nach Matsuyama. Die Strecke führt dem Meer entlang, mit sehr diverser Fauna, wir sehen von Orangenbäumen bis zu rosa blühenden Wiesen fast alles.

    Das Abendessen in Matsuyama ist unvergesslich. In einem kleinen Restaurant mit ungefähr fünf Plätzen wird Okonomiyaki frisch gekocht. Okonomiyaki ist viel fein geschnittener Kohl, auf einer grossen Platte gebraten und gedämpft, und dann mit einer Art Crêpe gedeckt, wo Nudeln darauf geschichtet werden und zuletzt wird Okonomiyaki noch mit Käse und Frühlingszwiebeln garniert. Richtig lecker. Im kleinen Restaurant werden wir von einem Stammgast in ein nettes Gespräch verwickelt, er war auch schon in der Schweiz auf Reisen.

    Den nächsten Tag verbringen wir in Matsuyama, eigentlich ununterbrochen in strömendem Regen. Zum Frühstück gönnen wir uns ein Toastbrot mit Sakura-Aufstrich (Magnolien- und Kirschblütenaufstrich). Nebst einem Tempel und der süssen Tempelkatze haben wir nicht viel gesehen. Am nächsten Tag ist das Wetter etwas besser, und wir probieren den Einzel-Sessellift auf einen kleinen Hügel in der Stadt mit einer alten, sehr eindrücklichen Burg. 

    Aufgrund des Wetters haben wir unsere Velopläne etwa sieben Mal geändert, und uns schlussendlich entschieden mit der Fähre Richtung Hiroshima zu fahren, um dann mit dem Velo die vielen kleinen Inseln zwischen Honshu und Shikoku abzufahren. In Kure auf Honshu startet dieses Abenteuer, und über eine beeindruckende Hängebrücke geht es auf die Shimokamagari Insel. Von dort weiter über viele kleine Inseln, mit Brücken verbunden und Fähren bis auf Omishima. Dort angekommen, waren wir heute total auf zehn Inseln. 

    Wir probieren die Campingplatzempfehlung von Johan aus – gemäss Johan einer der besten Camping-Spots in Japan. Und wir stimmen ihm zu, direkt am Meer, mit Unterstand, einem Onsen in 5 Minuten Entfernung und einem kleinen Dörfchen mit Laden, Wäscherei und Restaurants in 10 Minuten Entfernung. Wir landen in einem der versteckten Izakaya-Restaurants, und kommen in den Genuss eines sehr kleinen Gourmet-ähnlichen Restaurants. Die Mini-Shrimps mit einem rohen Eigelb sind gewöhnungsbedürftig intensiv, aber geschmacklich sehr fein. Dazu gabs unter anderem Mais und Edamame (Soja-Bohnen).

    Der nächste Tag ist wieder sehr regnerisch, und wir entscheiden uns, den Tag am Meer im Zelt zu verbringen. Das Zelt steht unter einem Unterstand, wir können trockenen Fusses das Zelt verlassen. Mit unseren Regenschirmen gehen wir auf einen kleinen Auslfug zum Onsen, und geniessen den langsamen Tag. Zum Glück scheint aber am darauffolgenden Tag die Sonne wieder. Am Morgen machen wir extra 400 Höhenmeter, um die tolle Aussicht von der Omishima-Insel zu geniessen, bevor wir über verschiedene Inseln zurück auf Shikoku fahren. Die letzte Inselverbindung sind drei aneinander gebaute Brücken, insgesamt 2.6 km lang, zum Teil über 70 Meter weit über dem Meer. Mit Sonnenuntergangsstimmung über den Reisfeldern geht es zum Toyo Ferry Terminal. Hier wartet die grosse Fähre auf uns, welche uns bis morgen früh nach Osaka bringt.   

  • Entdeckungsrunde auf Kyūshū

    02.11.2026
    Japan

    Wir kommen morgen früh mit der Fähre aus Südkorea in Fukuoka an und nach dem wir einige organisatorische Dinge erledigt haben, fahren wir Mittags los Richtung Karatsu. Die Strecke führt uns der Küste entlang, der Himmel ist bedeckt und die Stimmung etwas grau. In Karatsu kommen wir rechtzeitig an, um noch die alte Burg zu besichtigen. Die Burg ragt auf einem Hügel direkt am Meer über der Stadt. Wir bestaunen das Bauwerk und treffen die ersten japanischen Katzen an. Am Abend ist nicht viel los im Städtchen, wir finden aber glücklicherweise noch ein Ramenrestaurant, in welchem wir die leckeren Nudeln schlürfen. Im Gegensatz zu Südkorea haben hier die Restaurants auch nach 20:00 geöffnet, das ist für uns eine willkommene Erleichterung.

    Am nächsten Tag regnet es in Strömen, wir haben uns aber zum Ziel gesetzt nach Obama Onsen zu fahren, da von dort aus ein Tagesausflug auf Nagasaki möglich ist und wir zugleich im Ort den Vorteil der vielen Onsen nutzen können. So begeben wir uns in Regenkleidung eingepackt auf den Weg. Leider liegt das Glück nicht auf unserer Seite und bei Silvans Hinterrad geht auf halbem Weg eine Speiche kaputt. Glücklicherweise in einem Ort mit einem Velomechaniker. Was ein Velomechaniker in China in 10 Minuten schaffte, dauert hier etwas länger und eine Stunde später mit etwas weniger Nerven sind wir dann wieder auf dem Weg. Völlig durchnässt kommen wir bereits im Dunkeln bei unserem Hotel an. Weder unsere tropfende Kleider noch unsere Fahrräder sind ein Problem und wir können gleich unser Zimmer beziehen. Das Zimmer ist wie in einem typischen Ryokan eingerichtet. Wir schlafen auf Futons und haben ein WC, aber keine eigene Dusche. Geduscht wird im Hotel-eigenen Onsen. Im heissen Wasser des Onsen haben wir die kalte und nasse Fahrt schnell vergessen. Die Onsen sind in Japan immer geschlechtergetrennt. Zuerst wird gründlich geduscht, meistens sitzend, und das Gründliche wird sehr ernst genommen. Anschliessend kann man sich in den heissen Bädern entspannen. 

    Von Obama Onsen machen wir am nächsten Tag ein Ausflug mit dem Bus nach Nagasaki. Das Wetter ist auf unserer Seite und wir können die geschichtsträchtige Stadt im trockenen erkunden. Wir besuchen das Museum über den Atombomben-Einschlag, dieser brutale Kahlschlag wird auf eine sehr technische und detaillierte Art aufgearbeitet im Museum. Die Atombombe hat etwa ein Drittel der Bevölkerung der Stadt auf einen Schlag ausgelöscht. Japans Taten während des 2. Weltkriegs sind leider nur in einem kurzen Abschnitt der Ausstellung aufgeführt und ausschliesslich auf japanisch. Die öffentliche Aufarbeitung der Rolle Japans scheint noch nicht so weit fortgeschritten. 

    Am Abend kehren wir mit dem Shinkansen und anschliessend mit dem Bus wieder nach Obama Onsen zurück. 

    Mit einem klassischen japanischen Frühstück, welches uns beide positiv überrascht, starten wir den Tag. Die vielen verschiedenen und intensiven Aromen passen, zudem ist alles sehr frisch und sehr lecker. Normalerweise ist Fisch und Reis nicht unser liebstes Frühstück, aber heute war das anders. Anschliessend fahren wir über den Hügel auf der Halbinsel, oben hat es noch offene, dampfende Schwefelquellen. Nach der Abfahrt geht es direkt auf die Fähre nach Kusamoto, von wo aus wir in ein Tal hineinfahren, wo wir auf einem verlassenen Campingplatz unsere erste Zeltnacht seit langem verbringen. Wir geniessen es beide wieder einmal zu kochen und in unseren Schlafsäcken zu schlafen. 

    Weiter geht es das Tal hinauf, teils über Strassen in sehr schlechtem Zustand. Die hügelige Landschaft, mit dem vielen Wald und immer wieder einem Weiler mit einigen Häusern erinnert uns ein wenig an die Schweiz. Bis wir dann unser Tagesziel erreichen, die Taroko Schlucht. Weil für den nächsten Tag wieder schlechteres Wetter gemeldet ist, entscheiden wir uns erneut einen Pausentag einzulegen. Wir verbringen zwei Nächte auf einem kleinen Campingplatz mit schöner Aussicht über die Schlucht. Den freien Tag nutzen wir um die Schlucht aus der Nähe zu bestaunen, zu waschen, lecker zu essen und am Abend eine Aufführung des Shinto-Tempels des Ortes zu besuchen. Es werden vier «Tänze» aufgeführt, wobei die Tänzer jeweils eine Maske tragen. Der Auftritt ist eindrücklich, die Tänze aber sehr ähnlich zu einander, uns hätten auch zwei gereicht, dennoch ein spannendes Erlebnis. 

    Nach dem Pausentag geht es bei mässigem Wetter weiter Richtung Aso, einer der noch aktiven Vulkane in Japan. Der Aso ist umgeben von einer der grössten Calderas der Welt. Ein sehr eindrückliches Naturspektakel. Um einen Tunnel zu umfahren, landen wir wieder auf einer schlechten Strasse, mit Humor und etwas Suchen finden wir dann den Weg wieder zurück und geniessen die Abfahrt in die Caldera. 

    Am morgen nehmen wir dann den Anstieg Richtung Mount Aso in Angriff. Oben angekommen stellen wir fest, dass die Strasse aufgrund eines Helikopterunfalls der anfangs Jahr passiert ist, gesperrt ist und wir nicht zum Krater fahren können. Wir essen unser Mittagessen und sind im ersten Moment etwas enttäuscht, dass wir die Höhenmeter in dem Sinn für nichts gefahren sind. Als wir dann schon wieder auf dem Velo sitzen um herunterzufahren, sehen wir wie ein Mitarbeiter einer kleinen Gruppe von Touristinnen den Weg erklärt wie sie anscheinend zu Fuss zum Krater kommen. Wir entscheiden uns unsere Velos nochmals zu parkieren und folgen der Gruppe. Der Weg zum Krater ist effektiv gesperrt, aber man kann einige Höhenmeter zu Fuss machen und dann hat man von oben einen wunderschönen Ausblick in den Krater hinein. Froh darüber, dass wir dies noch gemacht haben und etwas erstaunt, dass es nirgends angeschrieben ist sondern nur gross dass die Strasse gesperrt sind, fahren wir am Abend wieder runter.

    Aus der Caldera raus fahren wir noch bis kurz vor Bepuu von wo aus wir uns von Kyushu verabschieden. Die Zeit auf Kyushu hat uns sehr gefallen, sehr unterschiedliche Natur offene und freundliche Menschen, wenig Tourist:innen und feines Essen.

  • When life gives you tangerines

    12.05.2026
    Südkorea

    Von Jeonju aus starten wir Richtung Süden. Unser Ziel ist Mokpo, von wo wir die Fähre nach Jeju, die Ferieninsel der Südkoreaner*innen, nehmen. Die beiden Velotage sind stark geprägt von den Sakura-Blüten, entlang des Velowegs sind alle Bäume schneeweiss am blühen. Die Koreaner*innen scheinen die Sakura-Zeit genauso zu geniessen wie wir, eine Familie steht mitten auf einer Strasse um ein Foto zu machen. Wir verbringen einen kurzen Abend in Gwangju, einer Stadt mit grosser Bedeutung für Südkoreas Weg von der Militärdiktatur zur Demokratie. Leider haben wir keine Zeit, uns näher damit auseinanderzusetzen. Wir kommen spät an und haben eher Mühe, nach 20 Uhr noch etwas zu Essen zu finden.

    In Mokpo angekommen gönnen wir uns ein Hotelzimmer, da unsere Fähre erst um Mitternacht Richtung Jeju abfährt. Wir wärmen uns mit einer warmen Dusche auf und machen die detaillierte Routenplanung für Jeju. Nach einer kurzen, aber erstaunlich erholsamen Nacht auf der Fähre kommen wir morgens um 6 Uhr auf Jeju an. Unser Ziel ist es, die rund 240 Kilometer um die Insel in zwei Tagen zu fahren. Begleitet werden wir von Johan, einem Genfer, den wir Anfang November in Almaty getroffen hatten. Seither sind wir immer wieder via Instagram und WhatsApp mit ihm in Kontakt. Er reiste über vier Monate quer durch China mit dem Zelt, teils bei -20 Grad Celsius, während wir das schöne Wetter in Taiwan, Südchina, Australien und Südostasien genossen haben.

    Jeju ist einerseits bekannt als die Veloinsel Koreas, bereits auf der Fähre haben wir viele andere Velofahrende angetroffen. Andererseits hat die Insel auch einen besonderen Platz in der koreanischen Geschichte und unterscheidet sich historisch sowie kulturell vom koreanischen Festland. So haben sie einen eigenen Dialekt und die Familienstrukturen sind traditionell stärker matriarchal geprägt als im restlichen Korea. Das hängt damit zusammen, dass viele Familien vom Meer lebten: Meeresfrüchte und Algen wurden von Freitaucherinnen, den sogenannten Haenyeo, gesammelt. Wir besuchen ein Museum und erfahren einiges über die sozialen Strukturen, die Ausbildung und die Ausrüstung der Taucherinnen. Bereits zwischen 11 und 13 Jahren begannen viele Mädchen mit der Ausbildung. Heute haben die Taucherinnen eher Mühe, Nachwuchs zu finden, die meisten noch Aktiven sind zwischen 50 und 80 Jahre alt.

    Wir haben zwei wunderbare Velotage auf Jeju und wählen zum Glück die richtige Richtung für die Umrundung, sodass wir mit Rückenwind wieder in Jeju City ankommen. Wir geniessen das Wetter, die leckeren Tangerines, für die Jeju bekannt ist, und machen immer mal wieder Halt, um einen Tempel, Wasserfall oder besonders schönen Küstenabschnitt zu bestaunen. Die Tangerines schmecken nach Mandarine, sehen aber wie eine Orange aus. Die Zeit vergeht schnell und wir verabschieden uns nicht nur von Johan, sondern auch von Lea, die nach Jeju zurück nach Seoul fährt, um von dort aus zurück in die Schweiz zu fliegen.

    Leider schlägt das Wetter vor unserer Fährüberfahrt zurück aufs Festland um und und wir fahren bei Seitenwind und Windstärken von bis zu 50 km/h. Die fünf Stunden verbringen wir sitzend, möglichst wenig essend und den Horizont im Blick. Mit etwas Medikamente gegen die Übelkeit überstehen wir die Fahrt zum Glück ohne uns zu Übergeben.

    Von Sacheon auf dem Festland nehmen wir einen Bus nach Busan, unsere letzte Destination in Korea. Von hier aus werden wir die Fähre nach Fukuoka in Japan nehmen.

    In Busan geniessen wir nochmals die Sakura-Blüten, obwohl sie schon fast vorbei sind, lassen unsere Veloweg-Stempel zertifizieren und machen die letzten Vorbereitungen für Japan. Wir flicken das Zelt, schreiben Postkarten und geniessen nochmals die koreanische Kaffeekultur. Die Stadt gefällt uns sehr — sicherlich auch, weil wir grosses Glück mit dem Wetter haben. Sie liegt am Meer und ist in die Hügel gebaut, das Stadtbild erinnert uns ein bisschen an Hongkong.

    Nach drei erholsamen Tagen reisen wir aus Korea aus und verbringen zu unserer Überraschung eine ruhige und erholsame Nacht auf der Fähre. Da die Fähre zwei Tage später in Wartung geht, ist sie relativ gut ausgebucht und wir bekommen nur noch einen Platz im gemischten Schlafsaal. Ganz nach japanischem Stil schlafen wir auf Futonbetten, zu acht, ohne Sichtschutz, dicht nebeneinander gereiht.

    Jetzt freuen wir uns auf das letzte Land unserer Reise, das wir in den nächsten gut fünf Wochen noch erkunden werden.

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  • Brücken und Kirschblüten

    04.05.2026
    Südkorea

    Nach vier intensiven, sehr schönen Tagen ist unsere Zeit in Seoul bereits vorbei. Wir würden sofort wieder zurückkehren, die Stadt hat uns sehr gefallen. Auf dem Veloweg folgen wir dem Han-Fluss ins Landesinnere. Das Velowegnetz in Südkorea wurde vor einigen Jahren neu gestaltet, es gibt durchgehende Velowege von Nord nach Süd. Meistens folgen die Velowegen den breiten Flüssen und Kanälen, das bedeutet für uns wenig Steigungen und fast kein Verkehr. Zudem gibt es eine Gamification: Circa alle 30 Kilometer steht eine alte Telefonkabine, in welcher es einen Stempel gibt. In einem kleinen Büchlein, dem Bicycle Certification Passport, können die Stempel auf der richtigen Seite gesammelt werden. Sobald die Stempel von einem Veloweg vollständig sind, erhält man nach Überprüfung ein Abzeichen. Wenn alle Velowege komplett sind, gibt es eine Medaille mit Diplom. Eine Medaille werden wir vermutlich nicht kriegen, Stempel sammeln wir aber fleissig.

    Unsere Strecke führt uns zuerst aus Seoul raus, die Stadt will einfach nicht enden. Nach drei Stunden sind wir immer noch nicht am Stadtrand angekommen, respektive fliessend in eine nächste Stadt gefahren. Der Veloweg ist aber komplett am Fluss entlang geführt, und wir mussten uns kein einziges Mal im Verkehr bewegen. Nach und nach wird es ländlicher und hügeliger. Die Natur ist noch deutlich weniger weit, das Gras und die Bäume sehen aus als wäre der Winter gerade erst vorbei. Viel Landwirtschaft prägt die Gegend, hauptsächlich wird Gemüsebau betrieben. Wir fragen uns, wo es Tierhaltung gibt. Kaum haben wir uns das gefragt, sehen wir am nächsten Tag viele moderne Kuhställe.

    Weiter geht es durch wunderschöne Kirschblüten-Alleen. In Gongju geniessen wir nach einem langen Tag auf dem Velo die letzten Sonnenstrahlen bei der Besichtigung der Gongju-Burg, und auch hier können wir die blühenden Bäume beim Spaziergang auf der Festungsmauer bewundern. Am nächsten Morgen decken wir uns mit der lokalen Spezialität ein, ein mit Marroni gefülltes Gebäck. Sehr lecker!

    In Jeonju sind wir in der besagten Ursprungsstadt des bekanntesten koreanischen Gerichts, Bibimbap, angekommen. Bibimbap heisst übersetzt eigentlich gemischter Reis mit Gemüse, und das ist es auch. Bibimbap wird traditionell in einer heissen Steinschüssel serviert, mit Reis und verschiedenen Gemüse, teils fermentiert, eingelegt oder gekocht, und einem rohen Ei. In der heissen Steinschale vermischt wird alles erwärmt.

    In Jeonju gibt es nebst Bibimbap eines der grössten erhaltenen Hanok-Quartiere zu bewundern, eine Siedlung aus traditionellen koreanischen Häusern, die aus Holz, Erde, Stein und Reispapier, oft mit Ziegeldächern gebaut sind. Das Quartier ist aber inzwischen die Touristenattraktion und so fühlt es sich eher wie auf einem Jahrmarkt an, wo es Essen, Spiele und Souvenirs zu kaufen gibt. Zudem kann man auch hier, wie bereits in Seoul, traditionelle koreanische Kleidung mieten, um mitten im Hanok-Quartier und den umliegenden Tempeln ein Fotoshooting zu machen. Wir verzichten auf das Kostüum und besichtigen noch ein etwas kleineres Quartier mit vielen Streetart- und Graffitimalereien. Jeonju bietet wie vielerorts in Korea viele gemütliche Kaffees, mit leckeren Desserts und feinem Kaffee. Obwohl in Korea viel und gut gegessen wird, sind im Gegensatz die Restaurants weniger gemütlich. Die Leute sind oft nur kurz da, und insbesondere gibt es am Abend nur zwischen 18:00 und 20:00 Uhr offene Restaurants. Bei vielen muss bis 19:30 Uhr bestellt sein, ansonsten gibt es nichts mehr zu Essen.

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  • Seoul: Endlich wieder eine Stadt mit Seele

    30.04.2026
    Südkorea

    Die Stadt gefällt uns auf Anhieb sehr, sie ist äusserst lebendig und eine willkommene Abwechslung zu den chinesischen Planstädten. Als erstes machen wir einen Ausflug nach Chuncheon, dort warten unsere Päckli mit dem Campingmaterial auf uns. Wir hatten diese von Taiwan dorthin geschickt. Von Seoul führt ein durchgehender Veloweg bis nach Chuncheon, etwa 130 Kilometer. Wir treffen dort die Eltern von einem guten Freund von Silvans Schwester, und werden von ihnen zum Abendessen eingeladen. Zu unserer Überraschung isst der Vater kein Fleisch, etwas das in unserer Vorstellung in Korea sehr selten ist. Wir essen ein sehr leckeres lokales Gericht, kalte Buchweizen-Nudeln mit verschiedenen kleinen Beilagen. Nach dem Essen geht es in ein Dessert- und Kaffeelokal, ein Gewächshaus mit voller Erdbeeren und Tomaten. Leider müssen wir am Abend wieder zurück nach Seoul, mit dem Zug sind wir in knapp 1.5 Stunden zurück.

    In Seoul geniessen wir das Essen, die koreanische Küche ist sehr anders als in Südostasien und China. Highlight für Silvan sind die verschiedenen Kimchis, Kimchi ist fermentiertes Gemüse. Im Winter wird oft Chinakohl oder Rettich eingelegt. Im Kimchi-Museum sehen wir die vielen Varianten davon, und im kurzen Kimchi-Kurs lernen wir das Kimchi selbst herzustellen. 

    Am ersten Tag in Korea kaufen wir uns am Abend im Convenience-Store zwei kleine PET-Flaschen, welche wir anhand der Etikette als Wasser identifizieren. Beim ersten Schluck stellt sich heraus, dass es Soju ist. Soju ist Reisschnaps, und sehr beliebt in Korea. Die Variante aus der PET-Flasche war nicht sehr lecker, aber die eisgekühlte Version aus der Glasflasche zum Essen schmeckt schon besser. Am späteren Abend finden wir noch eine beeindruckende Whisky-Bar, welche mit ihrem Sortiment direkt mit einem Pub auf Islay in Schottland konkurrenzieren kann. 

    In Seoul ist aktuell die perfekte Zeit um Sakura-Sightseeing zu betreiben, die Kirschbäume blühen, und viele andere Sträucher und Bäume sind ebenfalls am blühen. In den Pärken und dem Fluss entlang wimmelt es von farbigen Bäumen, und von Leuten welche die Blüten fotografieren. Wir besuchen den Changdeokgung-Palast aus der Josen-Dynastie. Der Palast ist sehr weitläufig, mit flachen aber grossen Gebäude, sehr schlicht aus Holz gebaut. 

    Etwas, dass uns nebst den Sakuras ins Auge sticht, sind die vielen Kirchen und religiös angehauchten Kaffees. Gemäss unseren Quellen sind heutzutage beinahe ein Drittel der südkoreanischen Bevölkerung christlich. Die Kirchen sind allesamt sehr modern, und scheinen auch bei der jungen Bevölkerung Anklang zu finden. Wir landen zwei Mal aus Versehen in einem christlich angehauchten Kaffee, beide Lokale sind sehr modern und ansprechend eingerichtet. Es gibt Merchandise, wie Plüschkreuze oder Bibelsprüche zu kaufen. Da verzichten wir lieber drauf, und decken uns in der Veloladen-Strasse mit Gadgets und ein paar neuen Kleidern ein. 

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