The Otter Nomads

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  • Business-Lunch in einer kleinen Hafenstadt

    25.04.2026
    China, Südkorea

    Die Zugfahrt von Shanghai nach Qingdao führt durch endlose Landwirtschaft, die Region ist bekannt für den Anbau von grünem Gemüse. Nebst dem Gemüse ist in China vorallem die Infrastruktur beeindruckend. Die gut 700 Kilometer fahren wir ausschliesslich auf Hochgeschwindigkeitsstrecken, oft auf einer Art Viadukt gebaut. Wir fahren durch grössere Städte, von welchen wir vorher noch nie gehört haben. Auffallend sind viele Energieproduktionsanlagen, von AKWs zu Wind- und Solarenergie. 

    In Qingdao erwartet uns schönes Wetter, aber ein eiskalter Nordwind. Wir kommen bereits in der Dämmerung am Bahnhof an, daher entscheiden wir uns am nächsten Morgen die Velos abzuholen. Wieder unterwegs mit den Velos, suchen wir das richtige Fährterminal, da wir online keine guten Informationen gefunden hatten. Wir wollen von Qingdao mit der Fähre nach Südkorea weiter. Obwohl wir mittlerweile ziemlich gut klar kommen mit den chinesischen Apps, fanden wir weder online Infos noch finden wir das korrekte Terminal auf Anhieb.

    Beim zweiten Fährterminal sind wir richtig, aber leider ist das Terminal geschlossen. Wir treffen auf eine Kioskbetreiberin, welche uns mitteilt, dass die Fähre erst wieder nächste Woche fährt. An einer Türe ist dann derselbe Hinweis auch noch angebracht. Also zurück ins Hotel und Alternativen recherchieren. Als wir die Website der Fährfirma im Detail übersetzen, erfahren wir, dass die Fähre in Wartung ist, und eigentlich ein Ersatzschiff fahren würde. Ein Anruf später wissen wir, dass dort keine Passagiere mitfahren können. 

    Im Internet stossen wir auf eine andere Fähre, in der nächsten Stadt im Norden, etwa 300 Kilometer entfernt von Qingdao. Wir rufen auf gut Glück dort an und zu unserer Überraschung findet sich jemand, welcher Englisch spricht. Er meint, dass die nächste Fähre übermorgen fährt. Perfekt für uns, also machen wir uns an die Organisation für einen Transport zu dieser Stadt. Über die App Lalamove finden wir einen Van, welcher unsere Velos für 60 Franken transportiert. 

    Wir haben etwas mehr Zeit als erwartet in Qingdao und schauen uns daher in aller Ruhe die Sehenswürdigkeiten an: Erstens die Tsingtao Brauerei, eine nach deutschem Vorbild gebaute Brauerei, um im frühen 20. Jahrhundert europäische Ausgewanderte mit Bier zu versorgen. Das Gebäude ist beeindruckend gut erhalten und sehr ähnlich den europäischen Brauereigebäuden. Zweitens gibt es eine Altstadt inklusive einer Kirche auf dem Hügel, wir fühlen uns als wären wir in einer europäischen Stadt gelandet. In einem grossen Shoppingcenter finden wir noch eine Eisbahn, passend zum kalten Wetter drehen Nora und Lea ein paar Runden auf den Schlööf.

    Am nächsten Morgen geht es mit Zug und Lalamove-Van nach Shidao zum Fährterminal. In Shidao angekommen treffen wir den englischsprachigen Kontakt der Firma, es stellt sich heraus das er für die IT verantwortlich ist. Er freut sich riesig uns zu treffen, und uns zu helfen. Er erzählt von einem polnischem Bikepacker-Pärchen, welchem er vor zehn Jahren auch mit der Fähre geholfen hat. Er hat uns bereits am Telefon gesagt, dass es an der Grenze einige Interviews gäbe, da die Grenze sehr wenig mit ausländischen Touristen zu tun hat. Wir dachten uns nichts weiter dabei, da wir uns seltsame Fragen der chinesischen Einreisebehörden mittlerweile gewohnt sind. 

    Casablanca, wie er sich auf Englisch nennt, lädt uns zum Mittagessen ein, wir geniessen ein sehr üppiges Angebot aus Meeresfrüchten und Fisch. Danach fährt er uns in seinem schicken Audi über das Hafengelände und zeigt uns die Fähre. Jetzt organisiert er zwei, drei Dinge per Telefon für dieses „Interview“. Und siehe da, es warten vier Leute mit zwei Kameras auf uns. Wir werden auf den letzten Metern zum Terminal gefilmt und für den ganzen Ausreise- und Zollprozess mit Kameras begleitet und interviewt. Das Interview läuft so ab, das Casablanca uns die Fragen auf Englisch übersetzt und uns klar vorgibt was wir sagen sollen. Eine einzigartige Erfahrung. Wir kommen schlussendlich doch noch zum Schiff und beziehen unser Zimmer. 

    Die Überfahrt nach Incheon in Südkorea ist unspektakulär, und wir starten gleich am Hafen mit dem Velo. Die ersten 20 Kilometer durch Hafen- und Industriequartiere bis zum Veloweg sind etwas hektisch, danach führt eine richtige Veloautobahn dem Ara-Kanal und Han-Fluss bis nach Seoul.

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  • Über Nacht nach Shanghai

    18.04.2026
    China

    Wir überqueren am Youyi Pass die chinesische Grenze, gemeinsam mit unzähligen Lastwagen welche hier zwischen den beiden Ländern Güter transportieren. Zudem sind hunderte fabrikneue Lastwagen aus China parkiert, welche auf den Import nach Vietnam warten. Nebst den vielen Gütern ist der Grenzübergang auf beiden Seiten ein beliebtes touristisches Ziel. Wir konnten dies bereits bei anderen Grenzübergangen beobachten, bei dieser Grenze gibt es aber sogar einige historische Gebäude zu sehen. Sobald wir in China aus dem Zollgebäude kommen, landen wir auf dem Selfie einer chinesischen Reisegruppe.

    Und China zeigt sich in den ersten Stunden sehr typisch: Riesige Strassen, welche in einer Sackgasse enden, gigantische Wohnsiedlungen, autonom fahrende Lieferfahrzuge (ZTO Express), 4-Sterne Hotelübernachtung für 20.- Franken und lebendige Nightmarkets mit sehr gutem Essen und frischen Fruchtsäften.

    Die nächsten drei Tage fahren wir bis Nanning. Hier haben wir im Dezember unsere Velos nach dem Zugtransport entgegengenommen und sind in die Halong-Bay geradelt. Jetzt werden wir hier wieder unsere Fahrräder aufgeben für den Zugtransport. Die etwa 300 Kilometer führten uns durch kleinere chinesische Städte (das heisst die Städte haben weniger als zwei Millionen Einwohnende). Die Städte wirken oft völlig überdimensioniert, mit breiten Strassen und wenig Verkehr. Die Wohnblocks erinnern gewissermassen an Plattenbausiedlungen in Osteuropa. Zwischen den Städten fahren wir durch Zuckerrohr-Plantagen. Das Zuckerrohr wird aktuell geerntet und auf überladenen Lastwagen zu den Fabriken gefahren. Erinnert an die Zuckerrüben-Gespanne im Seeland, aber die Lastwagen rauschen mit über 80 km/h an uns vorbei.

    Die letzten Kilometer nach Nanning sind vom grossstädtischen Verkehr geprägt, aber da es immer noch viele (motorisierte) Zweiräder gibt, fühlen wir uns ziemlich sicher auf dem Velo. Wir packen unsere Saccochen in grosse Plastiktaschen um und geben unser Velo für die Reise nach Qingdao ab. Qingdao liegt knapp 2’000 Kilometer Luftlinie an der ostchinesischen Küste.

    Von Nanning geht es in ein paar Stunden nach Shenzhen, dort haben wir Zeit für etwas Sightseeing im Kunstviertel, Nora lässt sich von der Atmosphäre inspirieren und nutzt die Zeit um zu malen. Am Abend fährt der nächste Zug, und auf diesen haben wir uns seit längerer Zeit gefreut. Ein Hochgeschwindigkeits-Nachtzug mit richtigen Betten. In der gigantischen Bahnhofshalle von Shenzhen Nord warten wir auf den G900, diese Verbindung gibt es erst seit Kurzem. Der Zug ist top-modern, fährt bis zu 350 km/h und bietet 4er Schlafabteile. Jedes Bett hat ein komfortables Kissen und Duvet. Morgens um 07:00 Uhr erreichen wir bereits Shanghai, Endstation dieses Zuges. Wir wären gerne noch länger unterwegs gewesen, aber der Zug ist dafür ausgelegt, pünktlich für Geschäftstermine in Shanghai zu sein. 

    In Shanghai erwartet uns Regen und sehr kaltes Wetter, wir kompensieren dieses mit viel Essen, Tee-Shopping und einem Spa-Besuch. Chinesiche Spas sind eine eigenartige (aber tolle) Erfahrung. Geschlechtergetrennt geht es in den Waschbereich, mit Sauna, Heiss- und Kaltwasserbecken. Dort sind alle Leute komplett nackt. Jetzt erhalten alle ein Art Pjiama und es geht weiter in den Essensbereich. Hier gibt es unlimitierte Früchte und Getränke, und weitere Speisen auf Bestellung. Nach dem Essen kommt der Spa- und Spassbereich. Gamingraum, Pedicure, Massagen oder Schlafkapseln gibt es hier. Die chinesischen Spas sind meistens 24 Stunden an 7 Tagen geöffnet. 

    Und ja, wir geniessen in Shanghai wieder einmal „westliches“ Essen. Ein bissen Abwechslung zu Nudeln, Dumplings, Reis, Tofu und grünem Gemüse. Zum Glück gibt es in Shanghai fabelhafte französiche Bäckereien, knusprige Pizza und orientalische Falafel.

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  • Cao Bằng: Karsthöhlen, Wasserfälle, chinesische Grenze

    12.04.2026
    Vietnam

    Von Mai Chau fahren wir Richtung Ba Vì, das nördlich von Hanoi liegt. Ein beliebtes Tagesausflugsziel von Hanoi aus. Unterwegs kommen wir an einer Crocs-Fabrik vorbei, ein auch in Vietnam sehr beliebter Schuh. Ansonsten haben wir während unserer Zeit in Vietnam weniger Produktionsstätten gesehen als erwartet. Bei Ba Vì ragen drei hohe Berge aus der flachen Ebene, wobei der höchste 1‘296 Meter hoch ist. Auf zwei der drei Gipfel stehen beeindruckende Tempel, einer davon ehrt Hồ Chi Minh. Um die beiden Tempel zu erreichen, müssen insgesamt 1’000 Treppenstufen erklommen werden. Begleitet wird der Aufstieg durch die Ballade von Hồ Chi Minh, die aus den Lautsprechern entlang der Treppe ertönt. Die Vietnames:innen erklimmen die Treppen mit Geschenken für den Altar und gewisse geniessen nach erfolgreichem Aufstieg ein ausgewogenes Mittagessen mit vietnamesischem Wein.

    Die spärliche Auswahl an Restaurants im Ort und unsere abgelegene Unterkunft führen dazu, dass wir Pasta einkaufen und zur Abwechslung für uns kochen. In den etwas grösseren und auch touristischen Orten gibt es jeweils diverse Essenslokale und Kaffees, ab von den üblichen Pfaden und in den ländlicheren Gegenden fällt das Angebot aber eher spärlich aus. Die regionalen Unterschiede erscheinen uns in Vietnam deutlich ausgeprägter als in den Regionen, die wir in Taiwan und China mit dem Velo durchquert haben. Wir diskutieren unsere weiteren Reisepläne für Vietnam und machen erneut eine Änderung. Aufgrund der anhaltenden schlechten Wetterlage und des vielen Verkehrs entscheiden wir uns gegen den ursprünglich geplanten Ha Giang Loop. Stattdessen wollen wir den Cao Bằng Loop im Nordosten des Landes fahren. Von Ba Vì organisieren wir uns einen Pickup-Transport nach Cao Bằng.

    Cao Bằng ist ein deutlich lebendiger Ort als Ba Vì und der Ausgangsort für viele Tagestouren in der Region. Das schlechte Wetter kommt leider mit uns mit, so fahren wir am ersten Tag im Regen Richtung chinesische Grenze. Auch hier ist die Region stark durch die Karstlandschaft geprägt, die Häuser erinnern einem aber eher an das ländliche China und unterscheiden sich stark von jenen im Nordwesten von Vietnam. Wir besuchen eine der vielen Karsthöhlen der Region und bestaunen die riesigen Stalaktiten und Stalagmiten. Die höchste der zusammenhängenden Höhlen ist 60 Meter hoch. Beeindruckende Dimensionen und Formen, die wir in einer 1,5-stündigen Führung bestaunen. Die Nacht verbringen wir direkt an der Grenze und besuchen am nächsten Tag bei schönstem Wetter den wunderschönen Wasserfall, Bản Giốc, der die Grenze zwischen China und Vietnam bildet. Zu unserem Erstauen hat es auf beiden Seiten keine gross sichtbare Militärpräsenz und es fahren von beiden Seiten die gleichen Boote in die Nähe des Wasserfalls. 

    Die Route folgt zuerst noch eine Weile dem Grenzfluss bevor sie wieder ins Landesinnere von Vietnam abbiegt. Unsere Unterkunft liegt auf einem Karsthügel und wir wählen leider den schlechteren der beiden Wege die zur Hütte führen, den offiziellen Wanderweg. So müssen wir am Ende des Tages noch unsere Velos inklusive Gepäck hochstossen. Für die Aussicht hat sich der anstrengende Weg auf jeden Fall gelohnt, wir werden mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. 

    Die restlichen Kilometer bis China sind unspektakulär. Wir geniessen aber noch ein letztes Bánh mì und ein Kokosmilch-Kaffee und geben unser letztes Bargeld aus, bevor wir ein viertes und voraussichtlich letztes Mal auf dieser Reise nach China einreisen.

    Mai Chau -> Ba Vì

    Cao Bằng Loop -> Pingxiang (China)

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  • Zwischen Reisfeldern und Karstlandschaften

    04.04.2026
    Vietnam

    In Hanoi treffen wir Lea, eine Studienkollegin von Silvan, die mit uns die nächsten sechs Wochen unterwegs sein wird. Bei deutlich besserer Luftqualität als noch im Dezember, erkunden wir die Stadt. Auf unserem Programm steht die Besichtigung des Literaturtempels, die erste konfuzianische Akademie Vietnams und ein Besuch der bekannten Train Street, wo Züge durch die enge Quartierstrassen zum Hauptbahnhof fahren. Hier geniessen wir die vietnamesischen Kaffeespezialitäten in den auf die Strassen gestuhlten Kaffees. Zudem holen wir unsere Velos bei Viet ab, welche er die letzten zwei Monate auf seiner Dachterrasse verstaut hat. Die Stadt gefällt uns beim zweiten Besuch deutlich besser.

    Um dem Verkehrschaos in Hanoi zu entgehen, organisieren wir uns einen Transport, der uns in den Südosten von Hanoi bringt. Nach einer zweistündigen Autofahrt erreichen wir Ninh Binh, die erste Hauptstadt der Dinh-Dynastie. Ninh Binh ist eine kleine, touristische Stadt umgeben von Karstlandschaften, Reisfeldern und Tempeln. Wir besichtigen zwei der Tempel und verbringen den Abend an der Touristenmeile. Aufgrund des chinesischen Neujahrs ist viel los, Restaurants servieren aber oftmals nur eines ihrer sonst vielen Gerichten.

    Am nächsten Tag fahren wir los Richtung Cúc Phương, zum ältesten Nationalpark von Vietnam. Es ist ein regnerischer, aber landschaftlich sehr schöner Tag. Wir folgen dem Tràng Fluss, der sich durch die Hügel schlängelt. Langsam weitet sich die Landschaft und wir sehen die ersten Reisfelder. Am Tor des Nationalparks übernachten wir in einem kleinen Dorf mit zwei Restaurants und einem Propaganda-Lautsprecher, der jeweils um 6 Uhr morgens und abends die wichtigsten Nachrichten auf vietnamesisch verbreitet. Da wir uns gegen die Erkundung mit dem Velo entscheiden, fällt der Besuch eher kurz aus. Zuerst führt eine 11km lange asphaltierte Strasse in den Park hinein, bevor der spannende Teil des Parks anfängt. Wir werden immer wieder von Motorradfahrer:innen überholt, weshalb wir uns nach gut 45min entscheiden umzukehren und weiterzufahren.

    Die nächsten Tage verändert sich die Landschaft kaum, sie wird von Flüssen, Reisfeldern und steilen Hügeln geprägt. Das Wetter ist aber deutlich besser und wir erkunden das ländliche Vietnam. Je weiter nördlich wir kommen, desto mehr von den traditionell aus Holz gebauten Häusern der Thái sehen wir. Wir begegnen vielen Kinder, die auf Motorrädern auf dem Schulweg sind und sehen viele in den Reisfeldern arbeitende Frauen. Zu Essen gibt es meist Reis, Tofu und Gemüse, oder eine klare Suppe mit Nudeln. 

    Die letzten beiden Tage verbringen wir in Pù Luông. Bekannt für die in den Hügeln gebauten Reisfelder, die nochmals eindrücklicher wirken als jene in der Ebene. Eine Nacht verbringen wir in einem Homestay, wo die Familie uns zu unserem Erstaunen Pasta zum Abendessen und Pancakes zum Frühstück auftischt. Die Familie hat noch die ganze Verwandtschaft zu Besuch wegen chinesisch Neujahr – es wird Bambuspfeife geraucht und Karaoke gesungen. 

    In Mai Châu gönnen wir uns eine Pause und geniessen das schöne Wetter, machen einen Ausflug zum nahegelegen Wasserfall und schlürfen zum Sonnenuntergang ein paar Cocktails. 

    Übrigens: Die Fotogalerien im Blog sind jetzt endlich korrekt sortiert. Viel Spass beim erneuten Anschauen. 😉

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  • Mit dem Zug quer durch Südostasien

    27.03.2026
    Südostasien

    Unsere Velos sind in Hanoi parkiert, wir sind jedoch in Georgetown im Norden von Malaysia. Unser Plan für die nächsten knapp zwei Wochen beeinhaltet diverse Züge, viele Grenzübergänge und ganz bestimmt vieles Unvorhergesehenes.

    Zum Start geht es von Georgetown mit dem Taxi nach Butterworth, wo wir einen Zug bis zur thailändischen Grenze fahren. Es ist kurz vor chinesisch Neujahr, und es sind sehr viele Leute unterwegs. Am Bahnsteig warten gefühlt gleich viele Menschen wie in Bern am Perron für den Intercity nach Zürich. Wir finden erstaunlicherweise einen Sitzplatz, und wie in allen malayischen Zügen ist es eiskalt wegen der Klimaanlage. In Padang Besar angekommen verwirrt uns der Zeitunterschied zu Thailand auch nach mehrmaligem Nachschauen, weil der Zug zwar in Malaysia abfährt, aber die Abfahrtszeit in thailändischer Zeitzone angegeben ist. Nach gründlichen Check haben wir genügend Zeit, etwas kleines zu Essen zu finden. Viele Stände sind jedoch geschlossen wegen chinesisch Neujahr, am Dorfende finden wir einen kleinen Stand. Unser übriges malaysisches Bargeld reicht leider nur für das Essen, aber keine Getränke. Gegen eine kleine US-Dollar Note gibt es trotzdem ein erfrischendes Cola für uns.

    Der Zug von hier nach Bangkok ist ein Nachtzug, nach Plan dauert die Fahrt etwa 15 Stunden. Der Zug ist recht bequem, aber es ist ein offener Schlafwagon. Das heisst, alle Betten sind einfach mit einem Vorhang abgetrennt. Wir schlafen einige Stunden, in Bangkok kommen wir aber ziemlich müde an, und sind sehr erfreut, dass unser Zimmer bald bezugsbereit ist. Nach einem kurzen Powernap geht es uns deutlich besser.

    In Bangkok sehen wir uns den bekannten Tempel Wat Arun sowie den grossen Palast an. Mein Highlight ist der Kochkurs, ich bin erstaunt wie simpel ein Papaya Salat oder die gebratenen Nudeln (Pad Thai) effektiv sind. Im Kochkurs sind auch eine Familie aus Singapur und eine aus Hongkong dabei. Die Hongkong-Familie hat sogar ihre Grosseltern dabei, der Grossvater ist aber nur am Essen und nicht am Kochen interessiert. 

    Nach drei Tagen in Bangkok geht es mit dem nächsten Zug bis an die laotische Grenze. Unsere erste Tuk-Tuk Fahrt bringt uns zum Grenzposten, eine kurze Busfahrt später sind wir auf der anderen Seite des Mekong. Wir übernachten in Vientiane, auf der Suche nach einem Restaurant begegnen wir mehr streunenden Hunden als Menschen. Am nächsten Morgen sind wir bereits wieder am Bahnhof. Das Bahnhofsgebäude ist nach chinesischem Muster gebaut, und unglaublich gross. Die Grösse täuscht, es fahren maximal 10 Züge täglich. Vientiane ist die Endstation der Laos-China-Railway, eine relativ neue Hochgeschwindigkeitslinie. Leider sind die direkten Züge nach China immer rasch ausgebucht, darum geht es für uns nur bis an die chinesische Grenze. Nach 3h sind wir in Boten, einer sehr heruntergekommenen Grenzstadt. Die Ausreise aus Laos ist etwas chaotisch, es braucht noch ausgefüllte Papierformulare. Andere Reisende müssen etwas bezahlen, bei uns wird allerdings nichts einkassiert. Die Einreise nach China ist etwa gleich mühsam, die Grenzbeamten stellen viele Fragen bezüglich unserer Reisepläne und inspizieren unsere Pässe sehr genau. Schlussendlich werden wir reingelassen und sind eine Taxifahrt später an der chinesischen Zugstation Mohan. Das Bahnhofsgebäude hier ist nochmals grösser als jenes in Vientiane. Mit dem nächsten Hochgeschwindigkeitszug fahren wir bis nach Kunming. Hier angekommen ist es deutlich kühler, wir haben immer noch unsere Sandalen an. Zwischen unserem Hotel und der Metrostation ist ein Nightmarket, wir hatten jetzt diverse solche Märkte besucht, aber so viel los wie wir hier war noch nie. Wir probieren uns durch einige bekannte Gerichte. Die Insekten und Schildkröten lassen wir aus. 

    Am nächsten Morgen geht es mit dem Zug von Kunming bis an die vietnamesische Grenze. Als ich im Zug die Karten-App studiere, realisiere ich warum es so kühl ist. Kunming liegt auf über 1‘800 MüM. Unbemerkt hatten wir gestern diese Höhendifferenz überwunden. 

    In Vietnam angekommen steht uns der letzte Teil dieser Überlandreise bevor: Ein Liegebus. Ursprünglich wollten wir von Vientiane direkt mit einem solchen Bus bis Hanoi fahren, die Fahrt hätte 24h gedauert. Nachdem wir uns online nochmals schlau gemacht hatten, haben wir diesen Plan verworfen. Die planmässigen 4 Stunden nach Hanoi sind in der Realität sechs sehr unbequeme, anstrengende und mühsame Stunden in einem engen, zu kurzen Bett. Der Fahrt ist mehrheitlich auf Autobahnen, trotzdem rüttelt es und jedes Schlagloch spürt man direkt. Wir sind nicht nur froh, endlich in Hanoi angekommen zu sein, sondern auch das wir uns gegen die lange Busreise und für den Zug entschieden haben. 

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