In Shenzhen verbringen wir die zwei Tage vor allem im Hotel, wir haben uns eine Erkältung eingefangen. Zuerst ist Nora am kränkeln, und fliessend danach Silvan. Nach etwas Herumprobieren schaffen wir es über eine App das Essen ins Hotelzimmer zu bestellen, damit wir nicht nach draussen müssen. Das Essen wird per Scooter zum Hotel geliefert und statt vom Scooter-Fahrer zum Zimmer gebracht, an der Rezeption abgegeben. Diese übergibt es einem kleinen Roboter auf Rädern, welcher mit dem Lift in das richtige Stockwerk fährt, und bei uns angekommen lässt er das Zimmertelefon klingeln. Jetzt können wir unser Essen aus dem Fach im „Roboterbauch“ herausnehmen. Der Roboter begegnet uns ständig wenn wir mal aus dem Zimmer gehen, in China wird zu jeder Tageszeit alles mögliche überall hin bestellt.
Um Shenzhen anzusehen reicht es uns leider nicht, nachdem es uns etwas besser geht fahren wir bereits weiter nach Hongkong, da wir das Hotel in Hongkong im Voraus gebucht hatten. Aber wir nehmen uns vor, nach dem Aufenthalt in Hongkong nochmals etwas Zeit in Shenzhen zu verbringen um diese Stadt zu entdecken. Shenzhen liegt zusammen mit Hongkong, Guangzhou und sechs weiteren Millionenstädten im Perlfluss-Delta, eine unglaublich dicht besiedelte Region mit über 86 Millionen Menschen, welche auf knapp 56’000 Quadratkilometern leben.
Shenzhen liegt direkt an der Grenze zu Hongkong, wir reisen am „Lo Wu“-Grenzübergang aus China aus und nach Hongkong ein. Hongkong ist bereits in den ersten Minuten eine komplett andere Stadt: dichter Verkehr, kaum Roller oder sonstige Zweiräder, enorm viele Menschen auf dichtem Raum, zu jeder Tageszeit gefüllte Metrowagen. Der öffentliche Verkehr ist aber trotzdem sehr effizient, und wir kommen schnell in der Innenstadt an. Da heute Mittwoch ist, und jeden Mittwoch auf Hongkong Island mitten in der Stadt die berühmten Pferderennen stattfinden, entscheiden wir uns spontan am Abend dort ein Rennen zu sehen. Auf dem „Happy Valley Racecourse“, wo Tourist:innen zu unserer Überraschung einen Gratis-Eintritt erhalten, sehen wir uns drei Rennen an. Die Rennen sind faszinierend, wir verstehen zwar nicht wie die Wetten funktionieren, aber die Geschwindigkeit der Pferde zu erleben ist beeindruckend. Wir erinnern uns an Kirgistan, als wir selber auf dem Pferd sassen und in einem gemächlicheren Tempo durch die Berge zogen.
Wir geniessen die Fahrten mit der Fähre zwischen Kowloon und Hongkong Island – weniger Menschen und tolle Aussicht auf die beiden Skylines. Auch eine Fahrt mit der Standseilbahn „Peak Tram“ lassen wir uns nicht entgehen – immerhin eine in der Schweiz hergestellte Bahn von CWA Garaventa. Die Strecke ist sehr steil und führt auf einen knapp 500 MüM gelegenen Aussichtspunkt, nach einem kurzen Spaziergang sind wir aus den Touristenmassen draussen und haben ein grossartiges 360 Grad Panorama. Die riesige Stadt mit der Skyline von Kowloon (Festland) und Hongkong Island, inklusive dem Blick auf die Hügel hinter Kowloon, und auf der anderen Seite in die Hongkong Bucht mit vielen kleineren Inseln sowie unzähligen Schiffen auf dem Wasser.
Als wir vom Aussichtspunkt in die Stadt zurücklaufen treffen wir auf Wildschweine, welche hier wild im Wald leben. Wir sind genau so erstaunt wie die anderen Spazierenden auf dem Wanderweg. Nach dem ersten ausgewachsenen Wildschwein kommen uns noch drei kleine Schweine entgegen. Sie scheinen sich ob den Menschen nicht zu stören und laufen ungestört ihren Weg.
Am Abend besuchen wir das Ausgangsviertel, welches eher in eine südeuropäsische Stadt passt als hierhin. Bei entspannter Stimmung sitzen die Leute auf den breiten Treppen, trinken ein Bier aus dem Convenience Store. Kein Wunder, da die Bars teils über eine stündige Wartezeit haben. Wir finden eine Cocktailbar, geniessen ein Drink zu ähnlichen Preisen wie zu Hause und sind erstaunt, dass zwischen Mitternacht und 1 Uhr morgens die meisten Leute nach Hause gehen. Wir verlassen die Bar aber auch bald und schaffen es nur per Zufall auf die letzte Metro. Das war also der Grund, warum alle Menschen bereits die Bar verlassen hatten. Wir sind trotzdem erstaunt, dass in dieser riesigen Millionenstadt das Nachtleben bereits so früh vorbei ist.
Am letzten Tag in Hongkong entfliehen wir dem Trubel von Verkehr und den vielen Menschen, indem wir mit der Fähre auf die Insel Cheung Chau fahren. Cheung Chau liegt etwa 45 Minuten entfernt von Central, und zu unserer Überraschung gibt es keine Autos hier, sondern ausschliesslich Velos und Fischerboote. Die Insel lässt sich auch gut zu Fuss erkunden, in knapp zwei Stunden haben wir über die Hälfte der Küste abgelaufen. An einem traumhaft schönen Strand geniessen wir das warme Wetter, schreiben wieder einmal Postkarten zurück in die Schweiz und entspannen uns. Es fühlt sich an, als wären wir für einen Tag in die Ferien gefahren.
Leider müssen wir am Abend zurück, wir überlegen uns spontan hier zu übernachten, aber haben unser Gepäck im Hotel in Kowloon gelassen. Darum reisen wir also zurück mit der Fähre, pünktlich zum Sonnenuntergang. Von Central über Kowloon zurück nach Shenzhen, etwa um 21:00 Uhr sind wir wieder zurück in der Volksrepublik China. An der der Grenze ist enorm viel los, wir sind uns nicht sicher ob es vor allem Leute aus dem Festland sind, welche das Wochenende in Hongkong verbrachten, oder Leute aus Hongkong, welche für die 24h Spas nach Shenzhen gehen.


























