Wir kommen morgen früh mit der Fähre aus Südkorea in Fukuoka an und nach dem wir einige organisatorische Dinge erledigt haben, fahren wir Mittags los Richtung Karatsu. Die Strecke führt uns der Küste entlang, der Himmel ist bedeckt und die Stimmung etwas grau. In Karatsu kommen wir rechtzeitig an, um noch die alte Burg zu besichtigen. Die Burg ragt auf einem Hügel direkt am Meer über der Stadt. Wir bestaunen das Bauwerk und treffen die ersten japanischen Katzen an. Am Abend ist nicht viel los im Städtchen, wir finden aber glücklicherweise noch ein Ramenrestaurant, in welchem wir die leckeren Nudeln schlürfen. Im Gegensatz zu Südkorea haben hier die Restaurants auch nach 20:00 geöffnet, das ist für uns eine willkommene Erleichterung.

Am nächsten Tag regnet es in Strömen, wir haben uns aber zum Ziel gesetzt nach Obama Onsen zu fahren, da von dort aus ein Tagesausflug auf Nagasaki möglich ist und wir zugleich im Ort den Vorteil der vielen Onsen nutzen können. So begeben wir uns in Regenkleidung eingepackt auf den Weg. Leider liegt das Glück nicht auf unserer Seite und bei Silvans Hinterrad geht auf halbem Weg eine Speiche kaputt. Glücklicherweise in einem Ort mit einem Velomechaniker. Was ein Velomechaniker in China in 10 Minuten schaffte, dauert hier etwas länger und eine Stunde später mit etwas weniger Nerven sind wir dann wieder auf dem Weg. Völlig durchnässt kommen wir bereits im Dunkeln bei unserem Hotel an. Weder unsere tropfende Kleider noch unsere Fahrräder sind ein Problem und wir können gleich unser Zimmer beziehen. Das Zimmer ist wie in einem typischen Ryokan eingerichtet. Wir schlafen auf Futons und haben ein WC, aber keine eigene Dusche. Geduscht wird im Hotel-eigenen Onsen. Im heissen Wasser des Onsen haben wir die kalte und nasse Fahrt schnell vergessen. Die Onsen sind in Japan immer geschlechtergetrennt. Zuerst wird gründlich geduscht, meistens sitzend, und das Gründliche wird sehr ernst genommen. Anschliessend kann man sich in den heissen Bädern entspannen. 

Von Obama Onsen machen wir am nächsten Tag ein Ausflug mit dem Bus nach Nagasaki. Das Wetter ist auf unserer Seite und wir können die geschichtsträchtige Stadt im trockenen erkunden. Wir besuchen das Museum über den Atombomben-Einschlag, dieser brutale Kahlschlag wird auf eine sehr technische und detaillierte Art aufgearbeitet im Museum. Die Atombombe hat etwa ein Drittel der Bevölkerung der Stadt auf einen Schlag ausgelöscht. Japans Taten während des 2. Weltkriegs sind leider nur in einem kurzen Abschnitt der Ausstellung aufgeführt und ausschliesslich auf japanisch. Die öffentliche Aufarbeitung der Rolle Japans scheint noch nicht so weit fortgeschritten. 

Am Abend kehren wir mit dem Shinkansen und anschliessend mit dem Bus wieder nach Obama Onsen zurück. 

Mit einem klassischen japanischen Frühstück, welches uns beide positiv überrascht, starten wir den Tag. Die vielen verschiedenen und intensiven Aromen passen, zudem ist alles sehr frisch und sehr lecker. Normalerweise ist Fisch und Reis nicht unser liebstes Frühstück, aber heute war das anders. Anschliessend fahren wir über den Hügel auf der Halbinsel, oben hat es noch offene, dampfende Schwefelquellen. Nach der Abfahrt geht es direkt auf die Fähre nach Kusamoto, von wo aus wir in ein Tal hineinfahren, wo wir auf einem verlassenen Campingplatz unsere erste Zeltnacht seit langem verbringen. Wir geniessen es beide wieder einmal zu kochen und in unseren Schlafsäcken zu schlafen. 

Weiter geht es das Tal hinauf, teils über Strassen in sehr schlechtem Zustand. Die hügelige Landschaft, mit dem vielen Wald und immer wieder einem Weiler mit einigen Häusern erinnert uns ein wenig an die Schweiz. Bis wir dann unser Tagesziel erreichen, die Taroko Schlucht. Weil für den nächsten Tag wieder schlechteres Wetter gemeldet ist, entscheiden wir uns erneut einen Pausentag einzulegen. Wir verbringen zwei Nächte auf einem kleinen Campingplatz mit schöner Aussicht über die Schlucht. Den freien Tag nutzen wir um die Schlucht aus der Nähe zu bestaunen, zu waschen, lecker zu essen und am Abend eine Aufführung des Shinto-Tempels des Ortes zu besuchen. Es werden vier «Tänze» aufgeführt, wobei die Tänzer jeweils eine Maske tragen. Der Auftritt ist eindrücklich, die Tänze aber sehr ähnlich zu einander, uns hätten auch zwei gereicht, dennoch ein spannendes Erlebnis. 

Nach dem Pausentag geht es bei mässigem Wetter weiter Richtung Aso, einer der noch aktiven Vulkane in Japan. Der Aso ist umgeben von einer der grössten Calderas der Welt. Ein sehr eindrückliches Naturspektakel. Um einen Tunnel zu umfahren, landen wir wieder auf einer schlechten Strasse, mit Humor und etwas Suchen finden wir dann den Weg wieder zurück und geniessen die Abfahrt in die Caldera. 

Am morgen nehmen wir dann den Anstieg Richtung Mount Aso in Angriff. Oben angekommen stellen wir fest, dass die Strasse aufgrund eines Helikopterunfalls der anfangs Jahr passiert ist, gesperrt ist und wir nicht zum Krater fahren können. Wir essen unser Mittagessen und sind im ersten Moment etwas enttäuscht, dass wir die Höhenmeter in dem Sinn für nichts gefahren sind. Als wir dann schon wieder auf dem Velo sitzen um herunterzufahren, sehen wir wie ein Mitarbeiter einer kleinen Gruppe von Touristinnen den Weg erklärt wie sie anscheinend zu Fuss zum Krater kommen. Wir entscheiden uns unsere Velos nochmals zu parkieren und folgen der Gruppe. Der Weg zum Krater ist effektiv gesperrt, aber man kann einige Höhenmeter zu Fuss machen und dann hat man von oben einen wunderschönen Ausblick in den Krater hinein. Froh darüber, dass wir dies noch gemacht haben und etwas erstaunt, dass es nirgends angeschrieben ist sondern nur gross dass die Strasse gesperrt sind, fahren wir am Abend wieder runter.

Aus der Caldera raus fahren wir noch bis kurz vor Bepuu von wo aus wir uns von Kyushu verabschieden. Die Zeit auf Kyushu hat uns sehr gefallen, sehr unterschiedliche Natur offene und freundliche Menschen, wenig Tourist:innen und feines Essen.