Unsere Velos sind in Hanoi parkiert, wir sind jedoch in Georgetown im Norden von Malaysia. Unser Plan für die nächsten knapp zwei Wochen beeinhaltet diverse Züge, viele Grenzübergänge und ganz bestimmt vieles Unvorhergesehenes.

Zum Start geht es von Georgetown mit dem Taxi nach Butterworth, wo wir einen Zug bis zur thailändischen Grenze fahren. Es ist kurz vor chinesisch Neujahr, und es sind sehr viele Leute unterwegs. Am Bahnsteig warten gefühlt gleich viele Menschen wie in Bern am Perron für den Intercity nach Zürich. Wir finden erstaunlicherweise einen Sitzplatz, und wie in allen malayischen Zügen ist es eiskalt wegen der Klimaanlage. In Padang Besar angekommen verwirrt uns der Zeitunterschied zu Thailand auch nach mehrmaligem Nachschauen, weil der Zug zwar in Malaysia abfährt, aber die Abfahrtszeit in thailändischer Zeitzone angegeben ist. Nach gründlichen Check haben wir genügend Zeit, etwas kleines zu Essen zu finden. Viele Stände sind jedoch geschlossen wegen chinesisch Neujahr, am Dorfende finden wir einen kleinen Stand. Unser übriges malaysisches Bargeld reicht leider nur für das Essen, aber keine Getränke. Gegen eine kleine US-Dollar Note gibt es trotzdem ein erfrischendes Cola für uns.

Der Zug von hier nach Bangkok ist ein Nachtzug, nach Plan dauert die Fahrt etwa 15 Stunden. Der Zug ist recht bequem, aber es ist ein offener Schlafwagon. Das heisst, alle Betten sind einfach mit einem Vorhang abgetrennt. Wir schlafen einige Stunden, in Bangkok kommen wir aber ziemlich müde an, und sind sehr erfreut, dass unser Zimmer bald bezugsbereit ist. Nach einem kurzen Powernap geht es uns deutlich besser.

In Bangkok sehen wir uns den bekannten Tempel Wat Arun sowie den grossen Palast an. Mein Highlight ist der Kochkurs, ich bin erstaunt wie simpel ein Papaya Salat oder die gebratenen Nudeln (Pad Thai) effektiv sind. Im Kochkurs sind auch eine Familie aus Singapur und eine aus Hongkong dabei. Die Hongkong-Familie hat sogar ihre Grosseltern dabei, der Grossvater ist aber nur am Essen und nicht am Kochen interessiert. 

Nach drei Tagen in Bangkok geht es mit dem nächsten Zug bis an die laotische Grenze. Unsere erste Tuk-Tuk Fahrt bringt uns zum Grenzposten, eine kurze Busfahrt später sind wir auf der anderen Seite des Mekong. Wir übernachten in Vientiane, auf der Suche nach einem Restaurant begegnen wir mehr streunenden Hunden als Menschen. Am nächsten Morgen sind wir bereits wieder am Bahnhof. Das Bahnhofsgebäude ist nach chinesischem Muster gebaut, und unglaublich gross. Die Grösse täuscht, es fahren maximal 10 Züge täglich. Vientiane ist die Endstation der Laos-China-Railway, eine relativ neue Hochgeschwindigkeitslinie. Leider sind die direkten Züge nach China immer rasch ausgebucht, darum geht es für uns nur bis an die chinesische Grenze. Nach 3h sind wir in Boten, einer sehr heruntergekommenen Grenzstadt. Die Ausreise aus Laos ist etwas chaotisch, es braucht noch ausgefüllte Papierformulare. Andere Reisende müssen etwas bezahlen, bei uns wird allerdings nichts einkassiert. Die Einreise nach China ist etwa gleich mühsam, die Grenzbeamten stellen viele Fragen bezüglich unserer Reisepläne und inspizieren unsere Pässe sehr genau. Schlussendlich werden wir reingelassen und sind eine Taxifahrt später an der chinesischen Zugstation Mohan. Das Bahnhofsgebäude hier ist nochmals grösser als jenes in Vientiane. Mit dem nächsten Hochgeschwindigkeitszug fahren wir bis nach Kunming. Hier angekommen ist es deutlich kühler, wir haben immer noch unsere Sandalen an. Zwischen unserem Hotel und der Metrostation ist ein Nightmarket, wir hatten jetzt diverse solche Märkte besucht, aber so viel los wie wir hier war noch nie. Wir probieren uns durch einige bekannte Gerichte. Die Insekten und Schildkröten lassen wir aus. 

Am nächsten Morgen geht es mit dem Zug von Kunming bis an die vietnamesische Grenze. Als ich im Zug die Karten-App studiere, realisiere ich warum es so kühl ist. Kunming liegt auf über 1‘800 MüM. Unbemerkt hatten wir gestern diese Höhendifferenz überwunden. 

In Vietnam angekommen steht uns der letzte Teil dieser Überlandreise bevor: Ein Liegebus. Ursprünglich wollten wir von Vientiane direkt mit einem solchen Bus bis Hanoi fahren, die Fahrt hätte 24h gedauert. Nachdem wir uns online nochmals schlau gemacht hatten, haben wir diesen Plan verworfen. Die planmässigen 4 Stunden nach Hanoi sind in der Realität sechs sehr unbequeme, anstrengende und mühsame Stunden in einem engen, zu kurzen Bett. Der Fahrt ist mehrheitlich auf Autobahnen, trotzdem rüttelt es und jedes Schlagloch spürt man direkt. Wir sind nicht nur froh, endlich in Hanoi angekommen zu sein, sondern auch das wir uns gegen die lange Busreise und für den Zug entschieden haben. 

3