Das Wetter ist ziemlich grau als wir nach der knapp stündigen Fährfahrt auf dem chinesischen Festland ankommen. Die Einreise klappt problemlos und wir fahren gleich aus dem lebendigen Hafen los, wir müssen heute um die 100 Kilometer bewältigen, damit wir bis nach Fuzhou kommen. Die Fahrt ist sehr abwechslungsreich, auf kleinen Landstrassen begegnen wir elektrischen Dreirädern beladen mit frischen Austern und uralten Zweitakt-traktorähnlichen Lastwagen, welche unglaublich viel Lärm für wenig Geschwindigkeit generieren. 

Das erste Ziel auf unserer Route ist Fuzhou, die Hauptstadt der Provinz Fujian. Fuzhou hat über 8 Millionen Einwohnende, und wir rollen auf über 10 Kilometer Veloweg in die Stadt. Bald fallen uns Unterschiede zu Taiwan auf, beispielsweise wird viel mehr geraucht, gerne auch direkt neben einem „Rauchen verboten“-Schild im Restaurant. 

Fuzhou fasziniert uns aus unterschiedlichen Perspektiven. Wir stellen uns vor, dass knapp die gesamte Bevölkerung der Schweiz in dieser einen Stadt in China wohnen könnte, und wir haben von dieser Stadt noch nie gehört. Die Stadt ist sehr grün, wir spazieren durch die Parks und über einen Teil des knapp 20 Kilometer langen Spazierwegs, welcher auf Brücken über der Stadt die Parks verbindet. Beim Zurücklaufen am Min-Fluss sehen wir zu unserer Verwunderung Leute, welche im Min-Fluss schwimmen. Nicht so viele Menschen wie in Bern an der Aare, aber doch einige drehen zum Feierabend hier eine Runde schwimmend oder mit dem Stand-Up Paddleboard.

Unsere Route führt uns die nächsten Tage durchs Hinterland der Fujian-Provinz, die Abende verbringen wir aber meistens in Städten. In den Dörfern wird jede Ecke genutzt um frisches Gemüse anzubauen, zwischen den grossen Eukalyptuswäldern fahren wir auch oft durch grössere Gemüse- und Fruchtplantagen – von Frühlingszwiebeln bis zu Ananas wächst hier alles. Am Strassenrand sind die Früchte immer sehr frisch und mit viel Aroma, in den Supermärkten vor allem in viel Plastik verpackt und mit weniger Geschmack. 

Nach 4 Tagen kommen wir in Xiamen an, unserem ersten Zwischenziel mit dem Velo. Von hier werden wir den Zug weiter in den Süden nehmen. Wir haben uns eine Verkältung eingefangen, und sind daher froh, dass wir nicht mehr Velo fahren müssen. Die Zugreise führt uns in gut drei Stunden nach Shenzhen, nördlich von Hongkong. Da im chinesischen Zugverkehr, welcher mittlerweile beinahe nur aus Hochgeschwindigkeitszügen besteht, keine Velo mitgenommen werden können, verschicken wir die Velos mit dem Gepäckservice der chinesischen Bahngesellschaft. 

Chinesische Städte sind eine Mischung aus schlauer Verkehrsführung, dichtem Wohnen und viel Platz für sportliche Aktivitäten. In allen Städten, welche wir besucht haben gibt es eine gute Veloinfrastruktur und wir konnten im Mischverkehr mit den Rollern recht entspannt in die Stadt fahren. Auf dem Land wohnen kaum Leute, die Dörfer sind vergleichsweise klein. Zersiedelung wie in der Schweiz sehen wir keine, wenn wir die Städte verlassen sind wir jeweils sehr schnell „alleine“. Zurück in den Städten ist das Angebot an Konsum unglaublich gross: von bester französischer Pâtisserie, Avocado-Toasts oder Milchtee gibt es alles in breiter Auswahl – und immer zu enorm günstigen Preisen. Chinesisches Essen ist extrem günstig, aber auch westliches Essen ist sehr preiswert. Übrigens: in diesen fünf Tagen in Fujian haben wir keinen einzigen westlich aussehenden Menschen gesehen.

6